Das Muster habe ich in mehreren Projekten gesehen, und es läuft immer gleich. Monate vergehen, ohne dass jemand einen verbindlichen Termin setzt. Dann steht irgendwo ein Datum in einer Folie, weil es nach außen zugesagt wurde, und plötzlich muss ein halbfertiger Stand in sechs Wochen fertig sein. In der Runde danach kommt aus dem C-Level der Vorschlag, den ich inzwischen erwarte: mehr Ressourcen.
Das Merkwürdige daran ist, dass der Vorschlag mit kürzerer Restlaufzeit sicherer kommt. Bei sechs Monaten diskutiert man Umfang, bei sechs Wochen zwei zusätzliche Entwickler aus einem anderen Projekt. Fred Brooks hat 1975 aufgeschrieben, was dann passiert:
Adding manpower to a late software project makes it later.
Das ist Brooks' Gesetz, aus The Mythical Man-Month. Brooks hatte das Material aus erster Hand: Er hat bei IBM die Entwicklung von OS/360 geleitet, tausend Beteiligte, jeder Termin gerissen. Sein Punkt ist die Einheit selbst. Kosten skalieren mit Personen mal Monaten, Fortschritt tut das nicht.
Warum kurze Fristen es schlimmer machen
Die Einarbeitung frisst genau das Fenster, das noch da ist. Wer neu dazukommt, muss von den Leuten eingelernt werden, die bereits der Engpass sind. Bei sechs Wochen Restlaufzeit ist das die ganze Restlaufzeit.
Dazu kommt die Abstimmung. Bei n Personen gibt es n(n-1)/2 mögliche Kanäle, vier Leute haben sechs, acht Leute haben achtundzwanzig. Jeder davon ist eine Gelegenheit für zwei unterschiedliche Annahmen über dieselbe Schnittstelle, und die fallen erst in der Integrationswoche auf.
Und der harte Teil: Viel von der Arbeit ist sequenziell. Solange das Schema nicht migriert ist, kann niemand den Endpoint darauf umbauen. Ein zweiter Entwickler wartet dann genauso wie der erste, nur bezahlt.
Was in diesen Runden geholfen hätte
Brooks' eigene Antwort ist unbequem und immer noch die einzige: Umfang kürzen oder Termin verschieben. In den Fällen, in denen es doch noch gut ausgegangen ist, war es nie das zusätzliche Personal, sondern eine ehrliche Liste, was zum Termin wirklich funktionieren muss. Der Rest kam ein Release später.
Und mit Agenten?
Seit ich mehrere Claude-Instanzen parallel laufen lasse, wird die Frage wieder gestellt, diesmal ohne Personalkosten. Eine der drei Ursachen fällt tatsächlich weg: Einarbeitung kostet fast nichts, der Kontext steht in AGENTS.md und wird pro Agent wiederverwendet. Die Sequenz bleibt, der Abhängigkeitsgraph interessiert sich nicht dafür, wer davor sitzt. Und die Abstimmung kommt als Doppelarbeit zurück: zwei Agenten, die denselben Helper refaktorieren, jeder für sich plausibel.
Dazu ein Engpass, den Brooks nicht hatte. Ich bin der einzige, der Ergebnisse annehmen darf. Drei Agenten parallel bringen mir etwas, bei zehn lese ich nur noch Diffs und entscheide immer schlechter. Was mitskaliert, ist der deterministische Teil des Reviews: Linter, Typprüfung, Tests, Pre-Commit-Hooks urteilen bei zehn Agenten so schnell wie bei einem. Genau der Gedanke aus Teil 5 der Tooling-Serie.
Nach 51 Jahren ist eine Ursache weggefallen und eine dazugekommen. Am Vorschlag aus der Runde ändert das nichts.